Ich träume

 

 

 

Kleine Träumer - wer kennt sie nicht?

 

Doch manchmal sollte man genauer hinschauen!

Manchmal scheinen Kinder einfach ins Leere zu blicken. Sie reagieren nicht auf Ansprache und machen den Eindruck, als sei man als Elternteil gar nicht vorhanden.

Dann plötzlich, wie von Zauberhand, sind sie wieder geistig anwesend, wirken aber etwas verstört.

 

Was kann dahinter stecken?

 

HSP-Kinder haben einfach manchmal zu viel von allem. Da muss morgens zeitig gefrühstückt werden, denn sie müssen pünktlich in der Schule sein. Beim Frühstück klappert das Geschirr, das Radio läuft und man fragt sie, ob sie die Hausaufgaben eingepackt haben. Die kleine Schwester plärrt, weil sie ihre Lieblingshaarklammer nicht findet. Der Vater rennt hektisch durch die Wohnung und sucht sein Script, das er später im Büro braucht. Das Kind (nennen wir es Frederik) wird beim Frühstücken im Vorbeigehen angehalten, sich doch zu beeilen, obwohl im Bad noch der Fön dröhnt, denn die Mutter bekommt ihre Haare nicht so hin, wie sie es möchte. Dabei ist doch heute so ein wichtiger Tag. Die Schwester kommt an den Tisch, zickt gleich herum und bemerkt nebenbei:

 

"Du kaust ganz komisch!" (Schwester)

"Du bist doof!" (Frederik)

"Selber doof!" (Schwester)

"Ihr sollt euch nicht streiten!" (Mutter aus dem Bad) und kurz danach:

"Hast du deine Turnsachen?"

"Ich muss los! Bin eh schon zu spät!" (Vater)

"Bringst du die Kleine zum Sport?" (Mutter)

"Nee, klappt heute nicht. Habe noch eine Besprechung." (Vater)

"Nun beeile dich doch!", bekommt das Kind gesagt. (Mutter aus dem Bad)

"Darf ich nach der Schule zu Eva?" (Schwester)

"Erst, wenn du Hausaufgaben gemacht hast!" (Vater, bereits im Gehen)

"Du musst doch zum Sport!" (Mutter, fertig mit Föhnen und knapp in der Zeit)

Die Mutter kehrt in die Küche zurück und erblickt Frederick, wie er träumend aus dem Fenster schaut. Vorwurfsvoll und inzwischen gestresst mault sie ihn an:

"Sag mal, bekommst du überhaupt noch irgendetwas mit?"

Frederick reagiert nicht. Ein Vogel fliegt am Fenster vorbei. Schneeweiße Wolken ziehen majestätisch über den blauen Himmel.

"Hallo?! Erde an Frederick! Bis du noch da?" (Mutter)

 

Was war mit Frederick?

 

Für Frederick hatte der Tag denkbar schlecht begonnen. Als seine Mutter ihn geweckt hatte, befand er sich noch mitten in einem Traum. Durch das jähe Aufwachen war er gedanklich noch gar nicht bei der Sache gewesen, als er laut und bestimmt ins Bad geschickt worden war.

Frederick hasste Eile, und schon gar nicht mochte er es, angetrieben zu werden. Während des Frühstücks bemerkte er, dass da neuerdings so ein komisches Zeug im Müsli war, was sich nur schwer kauen ließ. Gedanklich war er noch bei seinem Traum, als seine Schwester ihm klarmachte, dass er irgendwie komisch kaut. Er fühlte sich angegriffen und sagte:

"Du bist doof!"

Dabei wollte er das gar nicht sagen, denn eigentlich konnte Frederick seine Schwester ganz gut leiden. Als diese dann schnippisch antwortete:

"Selber doof!", schaltete Frederick ab.

Müslikauend blickte er aus dem Fenster. Er sah die Wolken am blauen Himmel. Eine sah aus wie ein Dinosaurier. Da kannte er sich aus. Vermutlich war er der größte Dinosaurierexperte der Welt! Die Ermahnung der Mutter:

"Ihr sollt euch nicht streiten!", bekam er nur noch am Rande mit. Genauso wie die ganzen anderen Geräusche, die ihn nur noch wie durch einen dicken Knubbel Watte erreichten. Er hatte ein schönes Dinosaurierbild gemalt, das er seiner Lehrerin zeigen wollte, obwohl er bereits jetzt wusste, wie sie reagieren würde. Sie würde lächeln, vielleicht auch noch etwas dazu sagen und dann zur Tagesordnung übergehen. Tagesordnung, so nannte sie es immer, wenn sie ernst wurde. Tagesordnung! Dabei hatte er doch so schön gemalt.

Ein Vogel flog vorbei. Frederick erkannte sofort, dass es sich um ein Rotkehlchen handelte. Auch da kannte er sich aus, denn sein Opa brachte ihm solche Dinge bei. Frederick kaute und kaute. Das neue Müsli schmeckte nicht.

"Hallo?! Erde an Frederick! Bis du noch da?"

Frederik hatte vor sich hin geträumt und wurde nun jäh aus seinen Gedanken gerissen.

 

Wie geht wohl Fredericks Tag weiter?

 

Alles, was Frederick wie durch Watte wahrgenommen hatte, war in diesem Moment für ihn völlig unwichtig gewesen. Die laute Hektik am Morgen belastete ihn, deshalb hatte er irgendwann damit begonnen, das einfach auszublenden. Es war nicht so, dass er es absichtlich tat oder gar aus bösem Willen. Es war einfach zu viel für ihn! Er war noch damit beschäftigt, seinen Traum zu verarbeiten und seine eigene Gedanken zu ordnen. Das ist wichtig für Frederick, damit er sich in der Welt zurechtfinden kann.

 

Während der Fahrt zur Schule kamen neue Eindrücke hinzu. Ein Hund lief herrenlos über die Straße und wurde fast von einem Auto erwischt. Ein Feuerwehrwagen raste mit Blaulicht irgendwo hin. Seine Mutter textete ihn zu mit Ermahnungen und guten Ratschlägen. Vor der Schule eine fürchterliche Hektik, querstehende Autos, stinkende Abgase und Abschiedsgehupe.

 

Während des Schultages, an dem eigentlich zunächtst Mathe und dann Kunst drangewesen wäre, blickte Frederick wieder aus dem Fenster. Er dachte an das Müsli, an den Hund, an den Feuerwehrwagen und an das Gehupe vor der Schule. In seinen Gedanken sprang er von einem Thema zum anderen und wieder zurück. Von Mathe bekam er nichts mit, denn in seiner Fantasie malte er sich aus, wie der Hund dann doch noch von seinem Herrchen gefunden wurde. Wer war das Herrchen? Einer so wie Opa?

Seine Gedanken beschäftigten ihn so sehr, dass er damit begann, mit seinem Stuhl zu schaukeln. Sicher, Frederick wusste, dass er das nicht soll. Die Lehrerin schimpfte dann immer, doch er bemerkte sein Schaukeln gar nicht. Und die Feuerwehr? Wo war die hingefahren? Hat es irgendwo gebrannt? Oder mussten die den Hund retten, der vielleicht in irgendeinen Gulli gefallen war? Der arme Hund!

 

Mit einem großen Rumms knallte Frederick auf den Boden, weil die hinteren Stuhlbeine über den glatten Klassenboden weggerutscht waren. Die Lehrerin schimpfte, alle lachten über Frederick, und Frederick schämte sich. Außerdem tat ihm sein Ellbogen fürchterlich weh. Aber viel schlimmer als sein schmerzender Ellbogen war für Frederick, dass alle lachten. Das machte ihn traurig.

 

Fredrick weiß nicht, warum er so anders ist, und auch mit den größten Bemühungen hatte er das bisher nicht ändern können. Alles macht er falsch. Niemand kann ihn verstehen. Er will doch gar nicht böse sein!

Bei einem Kind wie Frederick kann es verschiedene Ursachen für zeitweilige geistige Abwesenheit geben. Eine Ursache kann HSP sein!

 

Haben Sie bei Ihrem Kind solche oder ähnliche Verhaltensweisen entdeckt und stehen dem rat- und hilflos gegenüber, sollten Sie ihr Kind testen lassen. Häufige Geistesabwesenheit oder "auf Durchzug" schalten sind Merkmale, denen auf den Grund gegangen werden sollte.

 

Unser Frederick fühlt sich sicher nicht wohl in seiner Haut, und besonders glücklich ist er wohl auch nicht. Wenn wir uns ernstlich mit diesen "sonderbaren" Kindern befassen, werden wir feststellen, dass es ganz tolle Kinder sind. Uns erscheinen sie manchmal "irgendwie komisch", aber in Wirklichkeit handelt es sich um ganz normale Kinder, die einfach nur etwas anders sind.

 

Dies zu erkennen,  zu lernen, damit umzugehen und Verständnis zu gewinnen, gehört für Eltern genauso zur Erziehung ihrer Kinder, wie alles andere auch. Diese Kinder sind stark, häufig hochbegabt, sie sind gefühlvoll und lebenswert. Werden diese Kinder mit ihrer Hochsensibilität angenommen und individuell gefördert, können aus ihnen glückliche und erfolgreiche Erwachsene werden. Eine außergewöhliche Persönlichkeit haben sie bereits!

 

Starke Kinder brauchen starke Eltern!

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